Wie gehts weiter? - Wenn der Kopf etwas anderes will, als der Körper
- Melanie

- vor 18 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Wie so oft will mein Kopf etwas anderes als mein Körper.
Mein Kopf versteht Konzepte, analysiert Probleme und entwickelt Lösungen.
Diese Lösungen sind oft logisch: Wenn ich Problem A habe, brauche ich Lösung A.
Dabei übersehe ich jedoch häufig bestimmte moderierende Faktoren. Ich sehe sie einfach nicht. Es fühlt sich an wie eine Art Blindheit.
Und genau das passiert auch mit meinem Körper. Oder mit meinem Autismus.
Die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis
Theoretisch weiß ich, wie ich meinen Job machen muss. Ich weiß, welche Schritte notwendig sind, wie Gespräche ablaufen und welche Strukturen es braucht. Genauso habe ich meine Selbstständigkeit geplant.
Aber ich vergesse, dass all das einen enormen Kraftaufwand mit sich bringt. Einen Kraftaufwand, den ich nicht jeden Tag leisten kann.
Einen Kraftaufwand, der zudem nicht zuverlässig planbar ist.
Die Theorie weicht also stark von der Praxis ab.
Ich musste mir eingestehen:
Ich kann nicht jeden Tag Gespräche führen.
Denn nicht jeder Tag ist für mich gleich.
Nicht jeder Tag bringt dieselbe Menge an Energie mit sich.
Wenn Anpassung zur Überforderung wird
Wenn ich mich zwinge, jeden Tag Gespräche zu führen – und genau das habe ich zumTeil getan –, funktioniert das zunächst eine Weile.
Aber meine Energie nimmt immer weiter ab.
Die Schlafstörungen werden stärker, das Masking nimmt zu und andere soziale Kontakte werden nahezu unmöglich.
Irgendwann dreht sich mein gesamtes Leben nur noch darum, meinen Job zu machen, Geld zu verdienen und zu funktionieren.
Um zu überleben.
Gleichzeitig habe ich einen hohen Anspruch an mich selbst. Meine Testungen und Gespräche sollen auf einem hohen Niveau stattfinden. Ich möchte den Menschen, die zu mir kommen, gerecht werden.
Doch je weniger Energie ich habe, desto schwieriger wird es, diesen Standard aufrechtzuerhalten.
Ich werde frustrierter und unzufriedener.
Der Versuch, das Problem durch Optimierung zu lösen
Ich gebe alles, um dieses Niveau zu halten.
Ich erarbeite Lösungen, entwickle neue Modelle und versuche, meine Prozesse weiter zu optimieren.
Doch weil mein Gehirn monotrop arbeitet, sehe ich häufig nicht das gesamte Bild.
Ich sehe nicht, dass dieser Beruf in dieser Form für mich nicht als Vollzeitjob funktioniert. Ich sehe nicht, dass mein Körper trotz meines theoretischen Fähigkeitspotenzials irgendwann zusammenbricht.
Stattdessen sehe ich nur:
Ich muss mich noch mehr anstrengen. Ich muss bessere Lösungen finden.
Ich muss effizienter arbeiten.
Bis es irgendwann nicht mehr geht.
Bis mein Spezialinteresse in der praktischen Umsetzung förmlich zerrieben wird und aus etwas, das mir eigentlich Freude bereitet, ein Zwang wird.
Der frühere Flow weicht der Angst, nicht genug zu sein.
Burn-out.
Enttäuschung.
Die Konsequenz
Ich musste mir eingestehen, dass ich etwas ändern muss.
Nicht, weil mir das Thema egal geworden ist.
Nicht, weil ich meine Arbeit nicht wertschätze.
Sondern weil die Art und Weise, wie ich sie bisher ausgeübt habe, nicht nachhaltig für mich war.
Wie geht es weiter?
Ich werde beruflich zunächst etwas anderes ausprobieren – mit deutlich weniger sozialer Interaktion.
Geplant ist eine Umschulung zum Videoeditor. Das habe ich bereits einmal gemacht und fand es damals eigentlich richtig cool. :3
Ich werde vorerst keine Beratung und keine Diagnostik anbieten können, bis ich mich vollständig erholt habe.
Vielleicht wird es irgendwann wieder möglich sein, nebenberuflich wieder Testungen zu machen.
Mein Wissen bleibt erhalten
Ich möchte mein Wissen weiterhin mit der Community teilen – nur auf eine andere Art und Weise.
Ihr werdet meinen Blog und meine Website weiterhin lesen können. Vielleicht werden auch Bücher oder andere digitale Formate folgen.
Neurodivergenz ist und bleibt mein Spezialinteresse.
Ich kann diesem Thema nicht einfach den Rücken kehren.
Gerade nicht, weil der Bedarf so groß ist und weil ich so viele Geschichten gehört habe.
So viele Menschen, die jahrelang nicht gesehen, verstanden oder ernst genommen wurden.
Ich möchte weiterhin meinen Beitrag leisten.
Nur der Weg dorthin wird ein anderer sein.
Danke für euer Vertrauen ❤️



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