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Autistischer Burn-Out und Glaubenssätze


Glaubenssätze spielen bei Burn-Out eine entscheidende Rolle. Schauen wir uns den Begriff etwas genauer an:


Glaube = etwas von dem wir sicher überzeugt sind, dass es so ist

Satz = nun ja, ein bestimmter Satz eben :D


Glaubenssätze bestimmen unser Leben also deshalb, weil wir so stark von ihnen überzeugt sind und sie für absolut wahr halten. Im Falle eines Burn-Outs arbeiten meist eine Reihe negativer Glaubenssätze, von denen wir glauben, dass sie wahr sind.


Ein typischer negativer Glaubenssatz vieler Autisten (und leider auch von mir selbst) ist 'Ich darf nicht autistisch sein oder wirken!'


Leider sind uns diese Glaubenssätze nicht wirklich bewusst. Sie haben sich meist über längere Zeit in unserem Unterbewusstsein manifestiert. Das liegt daran, dass sie das Produkt unserer gesammelten Erfahrungen in der Vergangenheit sind. Glaubenssätze teilen sich meist ist Dualität auf: gut - schlecht, richtig - falsch. Wenn in unserer Vergangenheit etwas gut gelaufen ist, speichern wir die Summe der Ereignisse entsprechend als gut ab (z.B. glückliche Kindheit), erstellen Glaubenssätze darüber und verhalten uns entsprechend so (z.B. Alle Menschen sind hilfsbereit). Ein Verhalten nach diesen Glaubenssätze ist daher kein bewusster Prozess (z.B. ausgeprägte Hilfsbereitschaft). Wenn jemand z.B. streng christlich erzogen ist, dann wäre ein Glaubenssatz 'Ich muss mich immer christlich verhalten'. Die Person wird vermutlich regelmäßig in die Kirche gehen, regelmäßig beten und Gott als selbstverständlich sehen.


Prägender sind aber negative Glaubenssätze, entstehend aus einer Reihe negativer Erfahrungen. Ursachen dafür können z.B. die Erziehung, eine schlimme Schulzeit, Mobbing, oder Einsamkeit sein.


Wenn wir viele dieser (besonders negativen) Glaubenssätze zusammentreffen, prägen sie unser Erleben, Verhalten und Handeln entsprechend negativ und destruktiv.


Mögliche Folgen sind:

  • Perfektionismus

  • Zwang

  • negatives Bild von sich selbst, der Umwelt und der Zukunft

  • Gefühl von Machtlosigkeit

  • Einsamkeit

  • Geringer Selbstwert, Selbstbewusstsein, Selbstwirksamkeit

  • Kein Gefühl für die eigenen Grenzen

  • Rumination (ständiges Grübeln)

  • Permanentes Masking

  • Kein Gefühl für eigene Bedürfnisse und dem eigenen Selbst

Beispiel:


Frühere negative Erfahrung: Mobbing für autistisches Sein

Glaubenssatz: Ich darf nicht autistisch sein oder wirken

Vermeintliche Lösung: intensives Masking (z.B. 15 Stunden pro Tag)

Langfristige Folge: Energie für Masking > Energie durch Erholung

--> Burn Out vom Masking


Erklärung:

Wenn wir glauben, niemals autistisch sein zu dürfen, maskieren wir sehr stark. Wir stecken unglaublich viel Energie ins „Neurotypisch-Sein“ hinein, unterdrücken Stimmingmethoden oder Echolalie, zwingen uns den anderen Anderen in die Augen zu sehen usw.


Nehmen wir einen 8 Stunden Job, Die meisten Autisten maskieren da schon sehr viel (z.B. Mittagessen, Besprechungen, Small Talk), dann erreichen sie noch ein paar Veränderungen, die sie unter höchster Anstrengung noch kompensieren müssen. Zu Hause wollen sie vielleicht auch noch Zeit mit dem Partner / der Partnerin nutzen, obwohl sie längt extrem erschöpft sind, was also auch wieder Energie kostet.


Hier liegt dann ein absolutes Ungleichgewicht zwischen "Energie für Masking" und "Energie durch Entspannung" vor und man muss sich die Frage stellen: wie kann jemand, der so viel Energie ins Funktionieren steckt und ständig über die eigenen Grenzen geht, kein Burn-Out haben?

Lösung:

Es gilt hier den Glaubenssatz / die Glaubenssätze zu identifizieren und sie nach Möglichkeit "aufzulösen" und neu zu programmieren. Im besten Fall erreicht man einen oder mehrere positive Glaubenssätze.

Frühere negative Erfahrung: Mobbing für autistisches Sein

  • --> NEU: ich bin gut so wie ich bin, suche mir meine Mitmenschen so gut ich kann aus, lerne mich zu verteidigen!

Glaubenssatz: Ich darf nicht autistisch sein oder wirken

  • --> NEU: ich suche mir Zeiten / Orte / Menschen, wo ich autistischen sein darf!

Vermeintliche Lösung: intensives Masking (z.B. 15 Stunden pro Tag)

  • --> NEU: Masking nur, wenn es wirklich sein muss oder teilweises Masking (z.B. 3 Stunden pro Tag)

Langfristige Folge: Energie für Masking > Energie durch Erholung

  • --> NEU: Herstellen einer Balance aus Masking und Autistisch sein


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1 Comment


Vielen Dank für die Ausführungen. Endlich in Worte gefasst. Hofentlich für viele eine Unterstützung.

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